Jim Evans in Aktion

Unterricht bis zum Sonnenuntergang

Ca. 25 "Redshirts" machen den Students Beine

Sonntäglicher Ausflug mit angemessenem Leihwagen

Class Work täglich von 8:00 - 12:00

Field Work täglich von 13:00 bis 18:00
Interesse?
Jim Evans Academy of Professional Umpiring - Class of 2012
Es ist nicht leicht, all die Eindrücke und Erfahrungen von 5 Wochen Professional Umpire School in einem kurzen Bericht zusammenzufassen. Ich fange einfach mit etwas an, das für so ein Event nicht unwichtig ist: Das Wetter - der zweitwärmste und zweitschönste Jänner in Florida, seit es Wetteraufzeichnungen gibt. In 5 Wochen eine einzige Stunde Regen, etwa 3 Tage bewölkt und der Rest Sonnenschein von früh bis spät bei um die 22 Grad.
Der Tagesablauf ist schnell beschrieben: 6:00 bis 7:15 Frühstück, 8:00 - 12:00 Classroom und 13:00 - 18:00 Fieldwork, 6 Tage die Woche, 5 Wochen lang. Dazu tägliche Hausübungen in Form von Worksheets und Positioning Tests, also Arbeit bis etwa 21:00, danach ein schnelles Budweiser aus dem Kühlschrank und anschließend ermattetes Umfallen ins Bett. Ja, so ein Tag in der Umpire School schlaucht doch ziemlich.
Ich war wohl nie so schlecht in Regeln, aber nach dem Durcharbeiten jedes einzelnen Satzes im Rulebook samt aller relevanten Interpretationen und 13 Einzeltests mit insgesamt 748 Fragen dürfte wohl keine Frage mehr offen geblieben sein. Mit 98% hab ich mich als Baseball-Ausländer nicht so schlecht gemacht, der Klassendurchschnitt lag bei eher bescheidenen 84%.
Die ersten zweieinhalb Wochen wurde gedrillt: Two-Men-Mechanics, Angle-Distance, Pivot, Cone Drill usw. - stundenlang bis zur Perfektion. Dann sogenannte Camp Games die nächsten zweieinhalb Wochen, eigentlich keine richtigen Games, sondern angesagte Spielsituationen, allerdings mit Fieldern und Runnern. Je 2 Umpire arbeiten mal Plate und mal Base: Situationen wie Interferences, Obstructions, Balks, Time Plays und, und, und, werden simuliert. Und die Instructors in der Rolle von Manager und Coaches versuchen alles, die armen Umpire fertigzumachen - unglaublich, was da teilweise abgegangen ist. Ich war wie immer zu nett und hab es auf nur 2 Ejections in 10 Camp Games gebracht. Das war eigentlich der einzige Kritikpunkt bei meiner Abschlussevaluierung, dass ich zu lange brauche, um jemanden zu tossen. Ich werde mich bessern...
Neben all dem gabs jeden Tag Cage Work mit Videoaufnahme: Der richtige Plate Stance, klare Ball/Strike-Mechanics, Check Swing Mechanics usw. wurden gedrillt und am Abend im Videoraum analysiert - zwischen Abendessen und Hausübung. Trotz der großen Zahl an Students kam jeder auf mindestens 33 Cage Appearences.
Apropos Teilnehmerzahl: Nach einigen recht schnellen Ausfällen pendelte sich die Zahl auf 121 ein - der Jüngste mit 18 und der Älteste mit 75. Etwa 10% zogen sich im Laufe der 5 Wochen gröbere Verletzungen zu und mussten zuschauen. Ich habs bis auf eine hartnäckige Oberschenkelzerrung verletzungsfrei überstanden und nebenbei gute 5 Kilo abgespeckt. Auch nicht schlecht...
Kritikpunke? Ja! Ab Beginn der Camp Games steht man viel herum. Das ganze Training ist ab diesem Zeitpunkt einzig darauf ausgerichtet, Kandidaten für die Minor Leagues zu sondieren. Zwar wird jeder gleich behandelt, egal ob er ein möglicher Kandidat ist oder nicht, trotzdem fehlt ein wenig die Motivation, wenn man von Anfang an nicht in den Auswahlprozess involviert ist.
Ein zweiter Punkt: Man wird zum perfekten Roboter ausgebildet, jeder Schritt sitzt, jedes Sign ist sharp and crisp, man kennt seine Responsibilities usw., aber am Judgement wird nicht oder kaum gearbeitet. Es werden Leute für eine Profilaufbahn ausgewählt allein basierend auf dem Grad der perfekten Umsetzung der Academy Mechanics. Das finde ich persönlich doch erstaunlich. Die Auserwählten beider Professional Schools werden zwar in einem 10-Tagescamp nochmals zusammengeholt und müssen dort richtige Spiele schiedsrichtern. Erst dann wird die endgültige Entscheidung gefällt, wer einen Job bekommt und wer nicht. Aber eigentlich nicht mein Problem...
Was habe ich aus den 5 Wochen mitgenommen? Viel, sehr viel, aber das Wichtigste ist wohl: Know your responsibilities! Das ist so wichtig, in jedem einzelnen Play. Ich hoffe, ich kann ein wenig davon in den zukünftigen Umpire-Kursen weitergeben, wenn auch die knappe Zeit, die uns für einen Kurs zur Verfügung gestellt wird, dies zu einem schwierigen Unterfangen werden lässt. Jemandem in zwei Tagen beizubringen, was seine Responsibilities als Umpire am Feld sind, wäre auch mit den besten Instruktoren der Welt nicht möglich. Trotzdem wird die ABUA-A versuchen, in Zukunft die besten Umpire-Instruktoren auszubilden, vielleicht nicht die besten der Welt, aber zumindest die besten in Österreich.





